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Rezensionen

DER SPIEGEL (17/2007) 23.04.2007

Hassfach Eurythmie

RUBRIK: Bildung; S. 64
LÄNGE: 5751 Zeichen
QUELLE: http://service.spiegel.de/digas/servlet/pdf?PDF_REQUEST=SINGLE_DOC&DID=51292035.

Überdurchschnittlich viele Abiturienten, aber schwere Mängel bei Fremdsprachen: Eine umfassende Studie über Absolventen von Waldorfschulen liegt nun vor.

Die Tageszeitung (TAZ) berichtet über die Absolventenstudie

Spätfolgen von Waldorfschulen

RUBRIK: Spezial; S. 40
LÄNGE: 109 Wörter
QUELLE: http://www.taz.de/dx/2007/04/07/a0266.1/text

Die Erwartungen an Waldorfschulen sind hoch. Ihre Schüler sollen zu besonders engagierten, verantwortungsbewussten und kreativen Menschen werden. Ob das eintrifft, haben Heiner Barz und Dirk Randoll untersucht. Die beiden Professoren befragten dafür drei Generationen ehemalige Waldorfschüler. Ihre Ergebnisse sind nun als Buch erschienen, ergänzt um Beiträge von Experten. Analysiert werden Erfahrungen mit der Waldorfpädagogik, Berufskarrieren, Lebensorientierungen, Religion und Gesundheit.

Selbstsicher dank Waldorfschule

RUBRIK: Spezial; S.2
LÄNGE: 917 Wörter
QUELLE: http://www.taz.de/dx/2005/10/01/a0222.1/text.ges,1

Absolventen von Waldorfschulen arbeiten oft im Gesundheitswesen, in Bildung und Erziehung, so lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie. Viele sehen sich als sehr kreativ und engagiert. Doch Befragungen von Ehemaligen bergen Tücken.
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Das Parlament

Angelesen

Der Volksmund weiß, was aus den Absolventen von Waldorf-Schulen wird: Menschen, die ungeheuer kreativ und enorm sozial sind. Tatsächlich taugt das Klischee nur bedingt: Lediglich fünf Prozent der Waldorf-Schüler schlagen sich später als Künstler durch; auch in sozialen Berufen sind sie nicht besonders häufig vertreten. Stattdessen ergreifen sie meist ganz normale akademische Berufe: Lehrer, Ingenieure, Ärzte oder Apotheker. Die Ehemaligen-Studie "Absolventen von Waldorfschulen" der Sozialforscher Dirk Randoll und Heiner Barz gibt einen höchst interessanten Einblick in ein halbes Jahrhundert Waldorf-Pädagogik. Der Leser lernt hier nicht nur, dass in den meisten Elternhäusern die Lehre Rudolf Steiners gar keine Rolle spielt - und folglich kaum einer der Waldorf-Schüler zum Anthroposophen wird. Sondern auch, dass die Schulen zwar Kreativität, Selbstbewusstsein und soziale Kompetenz vermitteln aber offenbar klare Defizite in der Didaktik haben. So mancher der befragten Absolventen kommt zwar prima in der Gesellschaft zurecht - hätte aber gerne mehr gelernt.

~Jeannette Goddar (das Parlament Ausgabe 08-09 Jg. 2007)

Frankfurter Rundschau

Verkannte Geister

Verkannte Geister Der Volksmund hat eine ziemlich klare Vorstellung davon, was aus den Absolventen von Waldorf-Schulen wird: Menschen, die ungeheuer kreativ und/oder enorm sozial sind. Dabei gibt es kaum eine ernst zunehmende Untersuchung über Erfolge oder Misserfolge der bundesweit mehr als 200 Waldorf-Schulen. Nun ist geklärt, dass das Klischee nur bedingt taugt: Lediglich fünf Prozent der Waldorf-Schüler arbeiten später als Künstler. In der Realität ergreifen sie meist normale akademische Berufe: Sie werden Ingenieure, Ärzte und Apotheker. Oder auch Lehrer. Doch als solche gehen sie so gut wie nie an eine Waldorf-Schule zurück.

Zu verdanken ist diese Erkenntnis Dirk Randoll und Heiner Barz. Die beiden Sozialforscher von der privaten Alanus Hochschule in Alfter und der Universität Düsseldorf haben Ehemalige der vergangenen 50 Jahre um eine Bilanz gebeten. Sie befragten mehr als tausend Waldorf-Absolventen aus verschiedenen Altersgruppen dazu, was aus ihnen wurde und wie sie ihre Schullaufbahn im Rückblick bewerten. Dabei herausgekommen sind einige interessante Einblicke, die man so bisher nur vermuten konnte. Erstens: In den allermeisten Elternhäusern spielt die Lehre Rudolf Steiners keine Rolle. Nicht die Anthroposophie, sondern die Pädagogik sowie die Unzufriedenheit mit dem staatlichen Schulsystem sind entscheidend für die Schulwahl.

Als positiv verbuchen die Ehemaligen, dass die Schule ihnen Kreativität, Selbstbewusstsein, soziale Kompetenz, Konfliktfähigkeit und Offenheit gegenüber Religionen mitgegeben hat. Verbesserungsbedarf sehen viele in der Didaktik der sehr frei unterrichtenden Schulen, die immer wieder auch als Vorbild für moderne Unterrichtsformen gehandelt werden. Viele bedauern, dass sie vor allem in Naturwissenschaften und Fremdsprachen nicht mehr gelernt haben, weil sie kaum gefordert wurden. Rückblickend betrachtet fehlt vielen Männern auch die Möglichkeit, "Jungs-Anteile" auszuleben. Wo kein körperliches Messen mit Gleichaltrigen möglich ist, fehlt offenbar ein Ventil für Aggressionen. Und: Mehr als ein Drittel der Waldorf-Absolventen hatte Nachhilfe-Unterricht. Keine Glanzleistung für einen Schultyp, der sich individuelle Förderung ganz oben auf die Fahnen schreibt.

~Jeannette Goddar (Frankfurter Rundschau; 13. März 2007. Rubrik FR:PLUS Wissen & Bildung)

Süddeutsche Zeitung

Distanz und Nähe

Was wird eigentlich aus Waldorf-Absolventen?
Eine Drei-Generationen-Studie liefert ein differenziertes Bild; Steiner-Pädagogik.

Obwohl es in Deutschland mehr als 200 Waldorf-Schulen gibt, sind Erfolge und Misserfolge der Lehre Rudolf Steiners kaum erforscht. Dirk Randoll, Sozialforscher an der privaten Alanus-Hochschule in Alfter, hat mit seinem Kollegen Heiner Barz von der Universität Düsseldorf Ehemalige der vergangenen 50 Jahre um eine Bilanz gebeten. Mehr als tausend Waldorf-Absolventen in drei Altersklassen haben die beiden Professoren schriftlich befragt, mit zwei Dutzend haben sie lange Interviews und mit sechs Gruppen Diskussionen geführt.

SZ: Landläufig sagt man, dass Waldorf-Schüler vor allem zweierlei werden: kreativ und sozial. Was ist aus den Absolventen der vergangenen 50 Jahre geworden - Künstler und Sozialarbeiter?

Randoll: Nein. Unter den Ehemaligen sind überdurchschnittlich viele Lehrer und Lehrerinnen, aber auch Ingenieure, Ärzte und Apotheker. Künstler werden Waldorf-Schüler nur zu fünf Prozent - das sind allerdings immerhin fünfmal so viele wie im Durchschnitt der Bevölkerung, da ist es nur jeder hundertste. In sozialen Berufen liegt die Zahl der Waldorf-Absolventen etwa im Mittel.

SZ: Und wie viele Schüler ergreifen einen anthroposophischen Beruf?

Randoll: Nahezu niemand. Nur 2,4 Prozent widmen sich als Erwachsener der Eurythmie oder werden Lehrer an einer Waldorf-Schule. Die meisten sind darüber hinaus der Anthroposophie gegenüber indifferent, skeptisch bis negativ eingestellt.

SZ: Heißt das, dass sie gar nicht auf Waldorf-Schulen hätten gehen wollen?

Randoll: Nein. Die Lehre Rudolf Steiners spielt schon in den allermeisten Elternhäusern kaum eine Rolle. Nur die wenigsten geben Anthroposophie als Motiv für die elterliche Schulwahl an. Meist werden pädagogische Gründe sowie die Unzufriedenheit mit dem staatlichen Schulsystem genannt. Auch die Ehemaligen geben zu Protokoll, dass nichts sie so wenig interessiert hat wie das "Zwangsfach Eurythmie". Gelobt wird aber die Offenheit gegenüber verschiedenen Glaubensrichtungen und Spiritualität. Und jeder zweite hat seine Kinder wieder auf eine Waldorf-Schule geschickt, auch ohne Anthroposoph zu sein.

SZ: Seit der Pisa-Studie streitet die Öffentlichkeit, ob die Methoden des freien Unterrichts zu besseren Ergebnissen führt. Was sagen die Absolventen?

Randoll: Das ist ganz unterschiedlich. Positiv glaubt die Mehrzahl, dass die Schule ihnen Kreativität, Selbstbewusstsein, soziale Kompetenz und Konfliktfähigkeit mitgegeben hat. Auf der anderen Seite sagen viele, dass sie vor allem in Naturwissenschaften und Fremdsprachen mehr gelernt hätten, wenn sie stärker gefordert worden wären. "Obwohl ich 13 Jahre Englisch und Französisch hatte, kann ich es kaum sprechen" - das haben wir öfter gehört. Viele beklagen auch mangelndes Leistungs-Feedback. In der Frage, wie man Schüler ohne Noten effizient bewertet, besteht Nachholbedarf.

SZ: Die antiautoritären Umgangsformen werden auch im Rückblick positiv bewertet?

Randoll: Mit zwei Einschränkungen. Erstens kommen Mädchen mit der Waldorf-Pädagogik offensichtlich besser zurecht als Jungen. Männliche Ehemalige sagen regelmäßig, ihnen hätte die Möglichkeit zum Ausleben ihrer "Jungs-Anteile" gefehlt: das körperliche Messen mit Gleichaltrigen, ein Ventil für ihre Aggressionen. Zweitens empfinden Schulwechsler wie Berufseinsteiger den Wechsel von der Waldorf-Welt in eine andere als sehr hart. Das gilt für Schulwechsler, aber vor allem für die Berufseinsteiger. Die ersten Jahre in der Leistungsgesellschaft kosten viel Kraft. Am Ende kommen die meisten dann allerdings sehr gut zurecht.

SZ: Mit welchem Abschluss starten denn die Abgänger der Waldorf-Schulen, die ja im Prinzip Gesamtschulen sind, ins Leben?

Randoll: Zwei von drei machen Abitur - das sind viele. Allerdings kommen Waldorf-Schüler auch aus überdurchschnittlich bildungsbewussten Elternhäusern. Und: 38 Prozent der Ehemaligen haben private Nachhilfe bekommen. Das ist nicht gerade eine Ruhmesleistung für einen Schultyp, der für sich in Anspruch nimmt, jeden Einzelnen zu fördern.

SZ: Sie selber haben zwei Kinder auf der Waldorf-Schule. Welche Erkenntnis ziehen Sie als Vater aus der Studie?

Randoll: Ich würde sie wieder dort einschulen, erwarte aber auch, dass sich die Waldorf-Schulen entwickeln. Sie sollten sich erstens den gesellschaftlichen Anforderungen stärker stellen. Und zweitens ihre Curricula - insbesondere die der Fremdsprachen und Naturwissenschaften - überarbeiten und die Lehrer besser qualifizieren.

~Interview: Jeannette Goddar (Süddeutsche Zeitung. 8. Februar 2007. Beilage S.41)

info3 News

Zufriedene Waldorfschüler

(jh) Waldorfschüler machen überdurchschnittlich oft das Abitur, erreichen überdurchschnittlich oft Hochschulabschlüsse, sie sind überaus zufrieden mit ihrem Berufsleben und werden selten arbeitslos. Sie stammen aber auch überproportional aus sozial und finanziell besser gestellten Elternhäusern mit einem überdurchschnittlichen Akademiker-Anteil. Ein auffällig hoher Anteil der Eltern von Waldorfschülern (fast ein fünftel) ist selbst Lehrer von Beruf – allerdings an Staatsschulen. Diese und viele andere interessante Ergebnisse hat die erste wissenschaftlich-systematischen Befragung von ehemaligen Waldorfschülern erbracht, die jetzt im VS-Verlag Wiesbaden erschienen ist. Verantwortlich für die Studie zeichnen die Erziehungswissenschaftler Professor Heiner Barz (Uni Düsseldorf) und Professor Dirk Randoll (Alanus Hochschule).

Neben anderen Überraschungen ergab die Studie auch, dass nur ein verschwindend geringer Teil der ehemaligen Waldorfschüler selbst einen anthroposophischen Beruf ergreift (2,4 Prozent) oder sich für Anthroposophie interessiert (7,2 Prozent) – ein Resultat, dass insbesondere dem immer wieder von Kritikern geäußerten Vorwurf die Basis entziehen dürfte, dass Waldorfschulen auf anthroposophische Indoktrination abzielten.. Die Zufriedenheit der Ehemaligen mit „Ihrer“ Schule überwiegt klar die bemängelten Defizite (z.B. Mathematik, Fremdsprachen): 47 Prozent der Absolventen, die selbst Kinder haben, haben diese wieder an einer Waldorfschule untergebracht.

Nachzulesen sind die Ergebnisse der Studie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift info3 – Anthroposophie im Dialog oder direkt in der knapp 400 Seiten starken Studie.

Heiner Barz und Dirk Randoll:

Absolventen von Waldorfschulen. Eine empirische Studie zu Bildung und Lebensgestaltung, VS Verlag Wiesbaden 2007, EUR 32,90.

QUELLE: http://www.info3.de/wordpressnews/?p=41