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Reformpädagogische Bildungskulturen im Spiegel empirischer Forschung
im Rahmen des DGFE-Kongresses, Dresden 18.3.2008

Reformpädagogische Bildungskulturen scheinen heute gleichzeitig in der Defensive wie in der Offensive. Gemessen am aktuellen Mainstream der bildungspolitischen Diskussion, der seit Jahren eindeutig und nachhaltig von PISA, von flächendeckenden Lernstandserhebungen und einheitlichen Bildungsstandards, von Leistungssteigerung und Verkürzung der Schulzeit dominiert wird, befinden sich Ansätze etwa der Montessoripädagogik oder der Waldorfschulen deutlich im Hintertreffen.
Dem stehen das seit Jahren wachsende Angebot an Privatschulen und die deutliche Zunahme der Schülerzahlen gegenüber; seit Mitte der 90er Jahre hat die Zahl der Privatschüler um knapp 50% zugenommen. Neben der Reformpädagogik alter Prägung und den zahlenmäßig noch immer dominierenden kirchlichen Schulen tauchen inzwischen auch neue Akteure als Schulträger auf: Die Phorms Management AG mit dem erklärten Ziel, mit Bildung Geld zu verdienen (Berlin, München, Frankfurt a.M., Köln). Oder der Sudbury-Ansatz, berühmtestes Beispiel die Hamburger Schulgründung mit Beteiligung der deutschen Pop-Ikone Nena. Vielerorts kommen Kinder aus den "Waldkindergärten" ins schulpflichtige Alter und "aktive Naturschulen" werden gegründet. Grund genug, nach den Leistungen und Erträgen der Alternativen zum staatlichen Regelschulsystem zu fragen.

In der Erziehungswissenschaft war nach einer Phase aktiver Sympathie verbunden mit prominenten Namen wie Flitner, Nohl oder Röhrs ein deutlich zurückgenommenes Interesse an reformpädagogischen Ansätzen zu verzeichnen. Kennzeichnend waren seit den 80er Jahren eher dekonstruktivistische Bemühungen in Richtung Entmystifizierung, Ideologiekritik oder Abschied vom romantischen Kindbild (Oelkers, Tenorth, Ullrich). Erst in jüngster Zeit finden sich indessen nennenswerte Versuche, Schulwirklichkeit und Bildungserfolg der reformpädagogisch geprägten Einrichtungen mit dem Instrumentarium der empirischen Sozialforschung zu überprüfen. Neben einem aktuellen DFG-Projekt zu "Lehrer-Schüler-Beziehungen an Waldorfschulen" (Helsper/Ullrich u.a. 2007) liegt eine neue Studie zu "Bildung und Lebensgestaltung ehemaliger Waldorfschüler" (Barz/Randoll 2007) vor.
Auch zu den Bildungskulturen von Montessori- (Ludwig) und Jena-Plan-Schulen (Lambrich) entstanden in den letzten Jahren empirische Forschungsarbeiten. Es wird reizvoll sein, diese bislang nicht systematisch vernetzten Einzelprojekte zu präsentieren und hinsichtlich ihrer Methoden, Ergebnisse und Interpretationsperspektiven zu diskutieren. Dabei werden die Forschungserträge nicht nur im Blick auf Schlussfolgerungen für die reformpädagogischen Strömungen selbst zu befragen sein. Komplementär dazu stellt sich die Frage nach dem unabgegoltenem Anregungspotential der Bildungskultur reformpädagogischer Provenienz für Erziehungspraxis und Wissenschaft. Nicht zuletzt werden die Stärken und Grenzen der ganz unterschiedlichen Forschungsmethoden herauszuarbeiten sein.

Referate

Montessori-Pädagogik im Spiegel aktueller empirischer Forschung
(Download als PDF)

Harald Ludwig, Münster

Der Klassenlehrer an Waldorfschulen - Erträge eines DFG-Projektes
(Download als PDF)

Heiner Ullrich, Mainz
Bernd Stelmaszyk, Mainz

Waldorfschulen im Urteil ihrer Ehemaligen
(Download als PDF)

Dirk Randoll, Darmstadt

Soziales Lernen mit dem Jena-Plan - Fallstudien und Forschungsperpektiven

Hans-Jürgen Lambrich, Ludwigsfelde

Erlebte Reformpädagogik im Urteil von Zeitzeugen und Ehemaligen
(Download als PDF)

Hein Retter, Braunschweig