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Stimm-Ratgeber im Vergleich

Von Christine Beitler, WS 2004/05

 

1. Der richtige  Ratgeber

Wer heute einen Ratgeber im Bereich Sprecherziehung sucht, wird schnell bemerken, dass dieses Unternehmen mit einigen Problemen verbunden ist, so sollte man zunächst wissen was eigentlich gebraucht wird. Da gibt es Ratgeber, die nur theoretisch mit dem Thema umgehen, andere die praktisch fundierte Tipps geben und wieder andere die mit dem Thema eher philosophisch umgehen. Über eines muss man sich klar sein, gerade die Sprecherziehung ist ein vielschichtiges Thema, das viele Aspekte berücksichtigt: von der Atemtechnik über Stimmklang, Körperhaltung, Aussprache bis hin zur inneren Einstellung. Auf dem Markt gibt es viele Ratgeber, die mehr oder weniger geeignet sind.

Ein weiterer wichtiger Aspekt : ist man ein Neueinsteiger oder will man nur altes Wissen auffrischen? Wie findet man aber jetzt den richtigen Ratgeber, zunächst sollte man den Markt sondieren, möchte man lediglich allgemeine Informationen oder schon detaillierte Informationen. An dieser Stelle möchte ich nun 3 Ratgeber vorstellen und ihre Vor- und Nachteile herausstreichen und miteinander vergleichen.

 

2. Ratgeber von Sabine Wittstock

- Die Stimme richtig einsetzten und damit kompetenter überzeugender und selbstsicherer auftreten

Sabine Wittstock beleuchtet das gesamte Spektrum von Atmung über Körperhaltung bis hin zur Körpersprache von allen Seiten und gibt praktische Tipps für den Alltag. Hier wird nicht nur die richtige Atemtechnik oder Phonetik dargestellt, sondern darüber hinaus wie man Körper und Geist in Einklang bringt. Wer mit sich selbst im Einklang ist, die richtige Atemtechnik, Körpersprache und Haltung beherrscht wird andere Überzeugen können.

                                                 

Zum Inhalt

In diesem Buch werden Kapitel für Kapitel die einzelnen Komponenten beleuchtet, die für einen guten Stimmklang wichtig sind:

Der Stimmklang ist unser Aushängeschild, so Sabine Wittstock, er ist Ausdruck der Persönlichkeit,  unterstreicht das was wir sagen und entscheidet letztendlich, ob wir ernst genommen werden, sympathisch wirken.  

  Zitat:  „ Der Klang unserer Stimme vermag Sympathie, Interesse zu wecken oder aber Wiederwillen , Langeweile auszulösen...“

Also ist es wichtig diese Komponente auch sicher und gezielt einzusetzen. Dies erfordert aber einige Übung, zu lernen mit der Stimme umzugehen, sie  wie ein Instrument zu stimmen. Dazu benötigt man allerdings einige Grundkenntnisse.

Im folgenden die wichtigsten Faktoren, die Wittstock in ihrem Buch beschreibt.

 

Stimme und Atmung            

Wittstock geht hier zunächst auf die verschiedenen Atemtypen ein. Da wären die Tiefenatmung und die Hochatmung, dabei geht sie auf die Vor- und Nachteile dieser beiden Atemtechniken ein und gibt praktische Tipps, wie die Atmung funktioniert von der richtigen Körperhaltung bis zur optimalen Kieferstellung. Dabei favorisiert sie die Tiefenatmung auch Zwerchfellatmung, da sie die beste Ausgangsposition für einen tiefen und sonoren Stimmklang bietet.

Zitat:   „ Wer einen ruhigen, dunklen, leibverbundenen Stimmklang anstrebt, der sollte die Steuerung des Einatmens dem Zwerchfell überlassen“.

Sie gibt einige nützliche Tipps, wie man auch im Alltag damit umgehen kann. So gibt es Übungen zur Lockerung des Kiefers und zur richtigen Körperhaltung.

                                             

Atmung und Wohlgefühl              

Welche Wirkung hat das Zwerchfell auf Herz, Gehirn und die Psyche? Durch Aktivität des Zwerchfells bleibt der Mensch in „seiner Mitte“  spiritueller Ansatz.

Zitat   „ Das soll nicht heißen, er empfindet keine Angst oder keine heftigen Emotionen mehr, seine Angst steigert sich jedoch nicht zur Panik“.

Sicher hat jeder von uns schon einmal gesagt oder von anderen den Satz gehört, „Bleib ruhig und atme erst mal tief durch“ und es hilft, da durch diese Atmung das Zwerchfell aktiviert wird und die ständige Bewegung des Zwerchfells bewirkt das der Mensch in seiner Mitte bleibt und ruhiger wird. Auch hier gibt die Autorin praktische Tipps, die man schnell und einfach durchführen kann.

 

Stimme und Haltung      

Ein sicherlich zentraler Punkt ist die Haltung, wie meine Stimme klingt, hängt stark von meiner Körperhaltung ab

Zitat:   „ Die Haltung eines Menschen ist für die Stimme von Bedeutung, weil sie Form und Volumen der Resonanzräume bestimmt“     

Wittstock zeigt  in einzelnen Schritten,  wie die richtige Haltung die Einstellung und damit die Stimme unterstützen kann.

Dabei geht sie auf alle einzelnen Möglichkeiten ein ( gehen, sitzen, stehen)

Sie veranschaulicht dies an Schaubildern, die verdeutlichen wie die Körperhaltung auf den Zuhörer wirkt.

Mit Tipps für den Alltag gibt sie jedem die Möglichkeit das Gelesene praktisch umzusetzen.

 

Stimme und Körpersprache   

Die richtige Gestik unterstreicht das, was man sagen  will, und verleiht dem gesagten mehr Ausdruck

Zitat   „Jeder Sprechimpuls ist mit einem Bewegungsimpuls verknüpft, den wir stets auf eine mehr oder weniger vorteilhafte Weise ausagieren“.

Wittstock vertritt hier die Einstellung, die Natürlichkeit der Gesten ist wichtig , da nur sie das Gesagte überzeugend unterstützt.

Das bedeutet: ich kann dass, was ich sage,  nur dann glaubhaft rüberbringen, wenn meine Gestik und Mimik dazu passt.

Versuche ich Gesten einzustudieren, werde ich immer an Überzeugung einbüssen.

So ist eine lockere Körperhaltung wichtig, die Bewegungen nicht kontrollieren, um nur einen der Tipps zu nennen, die Wittstock dem Leser mit auf dem Weg gibt.

 

Stimme und Aussprache   

Eine gute Körperhaltung und Gestik, Mimik sind allerdings sinnlos ohne die deutliche Aussprache. In diesem Kapitel geht sie auf die Bedeutung und Wirkung der einzelnen Vokale und Konsonanten ein. Wittstock betont, dass nun alle Komponenten zusammenwirken: Körperhaltung, Gestik, Mimik und Atemtechnik richtig eingesetzt ermöglichen dem Sprecher eine klare und deutliche Aussprache.

Zitat   „ Haben wir in Bezug auf Atmung, Körperhaltung und Körpersprache günstige Voraussetzung geschaffen, so erübrigt sich eine Einflussnahme auf die Artikulation weitgehend“.

Im weiteren Verlauf dieses Kapitels geht die Autorin nun auf die Vokale und Konsonanten ein und unterstreicht ihre Bedeutung für die Stimme. Wie am Ende eines jeden Kapitels gibt sie auch hier Tipps für den Alltag. So ist wohl einer der wichtigsten Tipps das Trainieren der Muskulatur: des Mundes und der Zunge, durch Gesichtsgymnastik kann man schnell Erfolge verbuchen. Schlussendlich, wenn alle Komponenten richtig eingesetzt werden, sollte der Sprecher deutlicher, klarer und sonorer, eben kompetenter wirken.

                                

Stimme und Kommunikation  

Im letzten Kapitel streicht die Autorin heraus, was der Stimklang transportiert: Motivation, Sympathie, Persönlichkeit.

Dabei spielt auch die Einstellung eine Rolle: sind wir müde, abgespannt, werden wir sicher nicht so sympathisch oder motiviert wirken, als wenn wir gut gelaunt, entspannt sind. Wichtig ist also auch die innere Einstellung.

Hier spielen die verschiedensten Komponenten eine Rolle: die Zeit, der Raum(Umgebung) körperliche Verfassung, und so weiter.

Hinzu kommt Kommunikation ist keine Einbahnstraße, selbst wenn wir einen Monolog halten kommunizieren wir, Aktion und Reaktion, wenn ich etwas sage, reagiert mein Gegenüber und wenn auch nur durch seine Haltung oder Gestik.

Zitat  „ Unsere Körper kommunizieren auf einen unbewussten Ebene miteinander“. Hier versucht Wittstock zu klären, wie wir auf andere wirken und diese auf uns. So gibt sie auch hier Tipps, wie wir unsere Wirkung auf andere beeinflussen können oder verbessern können.

 

Stimme und Stimmigkeit   

Nur wer mit sich selbst und mit dem was er sagt auch übereinstimmt, wirkt kompetent und wird auch letztendlich seine Zuhörer überzeugen können, Zitat: „ Stimmklang und Stimmigkeit sind in einer unauflösbaren Einheit miteinander verbunden“

Menschen die mit sich eins sind, werden mit ihrer Stimme keine Probleme haben.

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3. Rezension zu Atem und Stimme von Coblenzer und Muhar

„ Gutes Sprechen ist kein Luxus und nicht nur für Schauspieler von Bedeutung.“ Mit diesen Worten eröffnen die Autoren ihren Ratgeber und weisen damit daraufhin, dass Sprechen ob in der Öffentlichkeit oder im privaten Bereich wichtig und für jeden erlernbar ist. Die Sprache ist der Schlüssel zum menschlichen Kontakt. In diesem Buch allerdings wird die Atmung in den Vordergrund gestellt, da diese so die Autoren der Schlüssel zur Ökonomie des Stimmgebrauchs ist.

Auf 118 Seiten wird hier eine praktische Anleitung gegeben, die sich auf Erfahrungsgut und neue Untersuchungsergebnisse der Atem- und Stimmphysiologie stützt. Ein Wegweiser der aber nicht auf das „Ohr des Lehrers“ verzichten kann.

Die Verfasser haben dieses Buch in 4 Abschnitte gegliedert:

1. die verschiedenen Arten des Stimmgebrauchs

2.Atmung beim Sprechen und Singen

3.Die Praxis: zahlreiche Übungen, die sich mit der atemrhythmisch angepasste Phonation

beschäftigen

4.der letzte Teil  geht auf das physiologische Konzept der atemrhythmisch angepassten Phonation ein

In allen Kapiteln wird die Arbeit an den Muskeln und der Atmung dem Bemühen um Stimme und Artikulation vorangestellt, da Muskeln und Atmung - so Coblenzer und Muhar - die Basis für jede weitere Sprecherziehung sind.

Nur durch richtig eingesetzte Atmung ist eine ökonomische Stimmleistung möglich.

 

Stimme und Rhythmus

Zunächst klären die Autoren, das es viele Komponenten gibt, die beim Sprechen wichtig sind: Atmung, Stimmerzeugung, Klang und Lautbildung. Wichtig ist,  um alle Komponenten in Einklang zu bringen, der richtige Rhythmus. Das Anliegen der Autoren ist die Schulung des Bewegungsrhythmus als Voraussetzung für die  Sprecherziehung.

Im Alltag sind Rhythmus-Mängel weit verbreitet und führen zu Erschöpfung und zu Konzentrationsmängel.

Beispiel: Viel zu oft werden viel zu viele Worte in einem Atemzug gesprochen,

Folge: Erschöpfung des Sprechers .

Wie gesagt ist es wichtig  diese Mängel auszuschalten um letztendlich zu einer ökonomischen Stimmleistung zu gelangen.

 

Ökonomische Stimmleistung

Sie ist dann erreicht, wenn die erwünschte Wirkung erreicht wird mit minimalem Aufwand. Wichtige Faktoren sind deutliche Artikulation, tragfähige Stimme und der richtige Rhythmus. Nur so wird es gelingen andere mitzunehmen. Um zu beurteilen, wann eine Stimmleistung ökonomisch ist, müssen wir auf die Atmung achten und, so die Autoren, sollten wir die häufigsten Verstöße kennen, die zu einer unökonomischen Sprechleistung führen.

Beispiele: Nachlässige Artikulation

                 Verhauchen

                 Pressen

um nur einige zu nennen, die Autoren beschreiben jede dieser Sprechweisen ausführlich und geben Tipps, diese Probleme auszubessern.

 

Die Ökonomie der Atmung beim Stimmgebrauch

Hier möchte ich auf die Atemmittellage eingehen, die für die Autoren für den gesamten Sprechvorgang große Bedeutung hat.

Die Atemmittellage hält die Balance zwischen Ein- und Ausatmen und ist in den verschiedenen Lagen unterschiedlich.

 Bei schlampiger Haltung ist sie tiefer als bei guter, so spielt auch die Haltung eine wichtige Rolle.

Das Aus- und Einatmen um die Mitte entspricht der Ruheatmung und ermöglicht eine tiefe Einatmung.  

 

Rhythmische Gliederung der Phonation

Sie ist wichtig für den Erhalt der Atemmittellage. Die rhythmische Gliederung soll dem Sprecher ermöglichen, seinen eigenen Rhythmus zu finden. Das heißt nicht in einem durchsprechen, bis einem die Luft ausgeht, sondern Pausen setzen und dabei den natürlichen Atemrhythmus beachten. „Die hier empfohlene Gliederung berücksichtigt hierbei den Atem. Weil dabei der individuelle Atemrhythmus für die Gliederung der Phonation von großer Bedeutung ist, sprechen wir von einer atemrhythmisch angepassten Phonation“. Gezieltes individuelles Training sollte hier im Vordergrund stehen, keine langen Sätze, sondern kurze Sätze,  der Schüler erhält so ein Gefühl für den richtigen Atemrhythmus.

Die wesentliche Faktoren sind optimale Koordination der Atmung, Stimme, Artikulation, und Gestik. Das Zusammenspiel ist hier sehr wichtig. In diesem ersten Teil machen die  Autoren  deutlich, dass die einzelnen Faktoren ineinander greifen und somit nur im Zusammenhang effektiv sind. Die atemrhythmisch angepasste Phonation ist dabei die Basis für jede Sprecherziehung .

 

Der Weg zu einer atemrhythmischen Phonation

Atem empfinden lernen

Hier werden Übungen vorgestellt, die zunächst das Gefühl für Atmung, Haltung, Bewegung und Stimme vertiefen, um zu einer atemrhythmischen Phonation zu gelangen.

Atem empfinden: ein Gefühl für den natürlichen Atemfluss erhalten. „ Im Gestalten des Ausdrucks leben Stimme und Bewegung vom Atem“, z. B.  beim stehenden Pendel. Mit dieser Übung wird das Gefühl für das Zusammenspiel von Körper und Atmung vertieft.

 

Kontrollempfinden für die eigene Stimme

In diesem Kapitel werden Übungen angeboten, die das Kontrollempfinden für die eigene Stimme schulen sollen.

Etwa die Änderung der Tonqualität in Abhängigkeit von der Körperhaltung und die  Änderung der Tonqualität in Abhängigkeit von der Körperposition. Schnell wird man einen Unterschied bemerken.

 

Bewegung, Atmung und Ton im Rhythmus

Hier wird das Rhythmusgefühl im Zusammenspiel mit Bewegung und Atmung vertieft. Klassisches Beispiel: Lasso werfen

 

Atemführung

Die Autoren wollen hier zeigen, dass,  wenn alle Übungen trainiert wurden und das Wissen über Atem, Sprechgestaltung, Bewegung, Haltung und Rhythmus präsent ist, ist es kein Problem, die gewünschte Atmung abzurufen, und sie geben an dieser Stelle Tipps, Fehler zu verbessern.

 

Training der Stimmatmung

Jedoch, und das sehen auch die Autoren so, gehört zu einem umfassenden Sprechtraining auch Muskeltraining, wie etwa das des Zwerchfells. Da unser Zwerchfell sicher eine zentrale Rolle spielt, muss dieser Muskel auch trainiert werden. Einige Übungen, die das Zwerchfell stärken und damit eine tragfähige Stimme ermöglichen, sind z. B. Gähnübungen

 

Artikulation und Stimme als Regulatoren der Atmung

Hier gehen die Autoren natürlich auch auf die Artikulation ein. Da das Hauptanliegen dieses Ratgebers allerdings die ökonomische Atemführung ist, werden hier Vokale und Konsonanten vor allem vom Standpunkt ihrer Funktion im Rahmen der Phonationsatmung behandelt. Einige Übungen untermauern hier die Ausführungen.

Zum Abschluss stellen die Autoren noch einmal ihr physiologisches Konzept der atemrhythmisch angepassten Phonation vor  und liefern damit eine Zusammenfassung, die dem Leser noch einmal einen umfassenden Überblick gibt.

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4. Jochen Waibel: Ich Stimme

In diesem Buch zeigt der Autor einen neuen Ansatz, der die psychosomatischen Faktoren in den Vordergrund stellt, in einem Konzept, das er „Das Stimmhauskonzept für die Balance von Stimme und Persönlichkeit“ nennt.

Dieses Konzept ist wie ein Haus aufgebaut, in dem ein Raum in den anderen greift, damit zeigt der Autor dem Leser, dass alle Komponenten in einer Wechselwirkung zu einander stehen (Wechselwirkung von Seele und Körper).

Die Stimme wird als Ganzes gesehen und es ist unmöglich einzelne Faktoren unabhängig von einander zu betrachten.

Nicht nur die körperlichen Faktoren spielen hier eine tragende Rolle, sondern auch die seelischen: Gefühle, Einstellungen, Umfeld.

Der Stimmklang ist von diesen Faktoren genauso abhängig wie von den Stimmbändern

oder dem Zwerchfell.

Hat der Mensch Probleme, Sorgen, wird sich das auch auf die Stimme niederschlagen.

Erst wenn alle Faktoren sowohl körperliche als auch seelische „mit wirken“, wird die Stimme „richtig“ klingen.

Hier setzt das Konzept von Waibel an, wenn die Chemie stimmt, wenn innerliche und äußerliche – motorische Harmonie herrscht, wird auch die Sprechleistung richtig sein.

Das zirkuläre Zusammenspiel aller Teile und Einzelkomponenten ergibt die Stimm- Persönlichkeit

 

Zikularität

Nicht mehr Ursache- und Wirkungs-Denken ist die Lösung, sondern das Denken in Wechselbeziehungen, z. B. Verspannungen werden gelöst, in dem man seinen Gefühlen mehr Raum lässt. Muskuläre Verspannungen bedingt durch Stress haben Auswirkungen auf das Zwerchfell und somit auf die Stimme. Hier bringt es nichts die Verspannung zu lösen, sondern das Problem, das diesen Stress und damit die Verspannung auslöst.

Ein komplexer Vorgang, der viel Einsatz vom Therapeuten und Schüler verlangt.

So spielt auch die Selbstreflexion eine wichtige Rolle , sich selber zu sehen und kritisch zu hinterfragen.

Dieser Vorgang benötigt ein gesundes Verständnis für seinen Selbstwert, er bestimmt wie ich mit mir selber und anderen umgehe und wie ich meine Stimme einsetze.

Hier geht der Autor auf 5 Freiheiten ein, die zentral sind und helfen, das Selbstwert-Gefühl

und damit das Selbstbewusstsein verbessern.

z.B. -  Ich bin frei, indem ich mein Umfeld uneingeschränkt wahrnehme

          Ich bin befangen, wenn ich mich in meiner Wahrnehmung von anderen einengen   

          lasse

     -    Ich bin frei, indem ich zu meinen Gefühlen stehe

          Ich bin befangen, indem ich Gefühle vortäusche

um nur 2 zu nennen, doch hier wird deutlich, dass ich „ich selbst“ sein muss, und meine eigenen Erfahrungen machen muss.

Das so genannte Stimmhaus ist für Waibel die Ganzheit der Stimme. Die Absicht des Autors ist es, die Sprech- und Gesangsstimme in einen ganzheitlichen zirkulären und selbstreflexiven Zusammenhang zu stellen.

Waibel vertieft die Beziehung zwischen Stimme, Persönlichkeit und Selbstbewusstsein.

Er verdeutlicht, wie wichtig die Interaktion der verschiedenen Komponenten ist.

Von Stimme über Bewegung bis hin zum richtigen Rhythmus beschreibt Waibel mit vielen praktischen Beispielen wie man/frau ihren Stimmklang verbessern können.

 

Die Stimme des Menschen im Raum

In diesem Teil verdeutlicht Waibel den Einfluss auf die Stimme durch sein Umfeld.

Hier wird Begriff Raum definiert, und wie der Mensch sein Umfeld wahrnimmt, sich selber wahrnimmt, unterschiedlichste Komponenten spielen eine Rolle, wie nehme ich mich und andere  wahr.

Beispiel: auf einen großen, bekannten Platz gehen, die  Augen schließen und lauschen.

Wir werden Dinge wahrnehmen, die wir vorher nicht wahrgenommen haben.

Im folgenden werde ich die einzelnen Räume aufzeigen, um so einen Einblick in Waibels Konzept zu geben.

 

Das Stimmhaus

Bewusstheit in der Stimmarbeit

Zitat: „ Wachheit für das was uns erregt und was unsere Aufmerksamkeit fesselt, ist die Voraussetzung zur Weiterentwicklung unserer Bewusstheit“. Nur wenn wir für uns und unsere Umgebung sensibilisiert sind, sind wir in der Lage, Schwächen und Stärken zu erkennen und diese weiter zu entwickeln. Waibel geht in diesem Kapitel auf drei Bewusstseinsmodi ein und beschreibt sie anhand eines Fallbeispiels.

 

Kontakt – im Takt der Stimme

Hier beschreibt der Autor die einzelnen Kontaktfunktionen, die wichtig sind für die ganzheitliche-tiefenpsychologische Stimmbetrachtung, um so die Fehler und Probleme zu erkennen.

 

Bewegung  Wirklichkeit des Augenblicks

Die Bewegung ist bei der Stimmentfaltung besonders wichtig, da sie die Stimme unterstützen kann oder aber behindert.

Auch hier spielt die Wechselwirkung der einzelnen Komponenten eine wichtige Rolle, wer unsicher ist oder ängstlich wird sich in seiner Bewegung verkrampfen und die Stimme eher behindern.

Mit vielen anschaulichen Beispielen untermauert der Autor seine These und verschafft dem Leser einen Einblick.

 

Rhythmisieren und Regenerieren

In diesem Teil werden Atmung und Bewegung verbunden zur „atemrhythmischen Bewegung“. Hierbei geht er auf die dreiteilige Atmung ein, die wichtig für den richtigen Rhythmus ist.

                                                  Zwerchfell                         Lunge

Ausatmung                                Streckung                        Zusammenziehen

Atempause                                Lockerheit                        Lockerheit

Einatmen                                   Zusammenziehen            Streckung

 

Atmen

Waibel erklärt, dass Atmen sowohl körperlich als auch psychisch ein wichtiger Faktor ist, denn darüber nehmen wir uns wahr, sind wir, so Waibel, im Takt, treten in Verbindung mit  unseren Gefühlen und Emotionen.

Entspannung und Entfaltung ist nur durch den richtigen Atemzyklus möglich.

Die Tiefenatmung spielt hier eine wichtige Rolle, da sie über das Zwerchfell gelenkt wird,

und die Bewegung des Zwerchfells ist sowohl körperlich als auch seelisch ein wichtiger Faktor.

Eine entspannte Atmung ermöglicht einen ausgewogenen Stimmklang.

Weiter geht er auf Stimmbildung, Atemtechnik und Phonation ein.

 

Malen und Singen

Da Entspannung und Regeneration wichtig für einen guten Stimmklang sind, ist hier der Einsatz der Atemschriftzeichen, ein hilfreiches Werkzeug, um die eigene Atmung und Stimme zu erfahren.

Waibel gibt auch hier einige praktische Beispiele, die der Leser auch selber ausprobieren kann.

 

Singen

Ein ausgezeichnetes Mittel um das „Instrument“ Körper „zu stimmen“. Es erweitert die Resonanzräume und gibt der Stimme mehr Volumen.

 

Sprechen und Sprache

Zum Abschluss geht Waibel auf die Sprache ein, die Ausdruck aller Komponenten ist, die Waibel beschrieben hat.

Erst wenn alle Komponenten in Einklang sind, sich gegenseitig beeinflussen, wird die Stimme sich voll entfalten können.

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5. Die Ratgeber im Vergleich

Sabine Wittstock

Diese drei Ratgeber sollen nur einen kleinen Einblick in die Vielfalt der Ratgeberliteratur geben. Alle 3 Ratgeber haben eines gemeinsam: sie geben einen umfassenden Einblick in die Sprecherziehung und verbinden anschaulich Theorie und Praxis.

Allerdings haben alle drei unterschiedliche Ansätze, so ist Wittstocks Hauptanliegen die Verbesserung der Persönlichkeit, des Selbstbewusstsein, um damit überzeugender zu wirken. Das Buch zeigt ausführlich, wie man Atmung, Haltung und Körpersprache in Einklang bringen kann und dass die Einstellung ein zentraler Faktor ist.

„Stimmig reden, Stimmig leben“ ist nicht nur Titel des Buches, sondern auch der Inhalt.

Wer also unsicher ist, wie er seine Stimme und sein Auftreten verbessern kann, der sollte

in diesem Buch lesen, denn gerade durch die übersichtliche Aufteilung und die praktischen Tipps für den Alltag kann dieses Buch schnell und unkonventionell helfen.

Auch wenn man/frau keine professionellen Sprecher werden wollen, sondern einfach nur ein wenig Erleichterung im Alltag suchen, werden sie hier sicher nicht enttäuscht.

Denn dieses Buch bietet von jedem etwas, ob besser sprechen lernen will, um andere zu überzeugen, oder einfach nur Körper und Geist in Einklang bringen möchte, hier findet jeder etwas.

 Wichtig ist hier die richtige Einstellung: wer überzeugen will muss selber überzeugt sein, seinen Körper und Geist in Einklang bringen, die Mitte finden, fast ein spiritueller Ansatz. Wittstock führt ihre Thesen ausführlich und anschaulich aus und macht sie damit nachvollziehbar. Bei ihren Ausführungen stützt sie sich auf ihre Erfahrungen als Sprecherzieherin. Besonders interessant das Kapitel über Vokale und Konsonanten, da hier ein Einblick auf die Standard-Aussprache gegeben wird. Sie unterstützt ihre Thesen mit vielen praktischen Tipps, die übersichtlich am Ende eines jeden Kapitels zu finden sind und damit das Buch recht benutzerfreundlich gestalten. Ihre Tipps sind auch im Alltag durchführbar und das sogar zwischendurch. Hinzu kommen Illustrationen, die das Ganze noch anschaulicher machen.

Im Gegensatz zu den anderen 2 Ratgebern ist Wittstocks Ratgeber stärker an der Praxis orientiert, so ist dieses Buch auch für Einsteiger interessant, da diese einen umfassenden und schnellen Einblick in die Sprecherziehung erhalten.

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Coblenzer und Muhar

So verfahren auch Horst Coblenzer und Franz Muhar , allerdings sehen sie in der Atmung den wichtigsten Aspekt in der Sprecherziehung. Atmung und Muskeln werden über die Artikulation gestellt, da sie die Basis für eine ökonomische Sprechleistung sind.

Anliegen des Buches ist es, dem Leser Informationen über die wesentlichen physiologischen Vorgänge beim Sprechen und Singen zu vermitteln.

Dabei stehen Atmung und Haltung vor Artikulation, da sie die Basis jeder Sprecherziehung sind.

Dieses Buch ist hilfreich für jeden, der seine Atemtechnik verbessern möchte, um so eine ökonomischere Sprechleistung zu erreichen.

Von Atmung, Haltung, Einstellung über den richtigen Stimmgebrauch bis hin zur Artikulation liefert dieses Buch alle wichtigen Komponenten. Auch werden hier die Gesundheitlichen Komponenten berücksichtigt. Allerdings steht bei ihnen die atemrhythmische angepasste Phonation im Vordergrund und ihre Bedeutung für die Ökonomie des Stimmgebrauchs.

Im Gegensatz zu Wittstock stellen beide zunächst die Theorie an den Anfang und erst im 2 Teil gehen sie auf die praktischen Übungen ein, die dann aber wie bei Sabine Wittstock mit Illustrationen unterlegt sind. Genau wie Wittstock sehen sie auch, dass viele Komponenten wichtig sind.

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Jochen Waibel

Zum Schluss möchte ich nun auf Jochen Waibel eingehen, Psychologe und Sprecherzieher, der einen ganz anderen Ansatz in seinem Buch zeigt.

Ich Stimme - das Stimmhaus ist ein Konzept, das den gesamten Menschen mit einbezieht und psychologische Bereiche wie Verhaltenstherapie, psychodynamisches Therapieverhalten und existentielle Therapie abdeckt. Der psychosomatische Aspekt steht im Vordergrund, die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele.

Waibel geht es hier um mehr Selbstausdruck und so ist dieser Ratgeber weit gefächert.

Die Ganzheit steht über allem und Probleme können nur im gesamten Kontext gelöst werden.

 Waibel macht darauf aufmerksam, dass gerade die Stimme wichtiges Instrument ist, es ist Ausdruck der Bewusstheit, und lebt aus der Bewegung, Atmung und dem Rhythmus.

Mit vielen Beispielen und Übungen werden dem Leser Instrumente in die Hand gegeben seine Stimme zu verbessern, außerdem wird seine Kreativität gefordert, er soll mit den hier gegebenen Beispielen eine Reise in sein Ich unternehmen, das Zusammenspiel zwischen Körper und Seele erkennen.

Er geht vom psychosomatischen  Ansatz aus und vermittelt dem Leser einen tiefen Einblick in die psychosomatischen Aspekte der Sprecherziehung, zwar bezieht er sich auch auf Atmung, Haltung, Sprache, jedoch immer vom psychosomatischen Standpunkt aus, dazu führt er jeweils einige Beispiele und Übungen an.

Waibel geht mit diesem Ansatz weiter als seine Kollegen, kein Wunder, denn er ist nicht nur Atem- und Stimmlehrer, sondern auch Psychologe.

Sein Stimmhaus ist in seinem Aufbau durchaus nachvollziehbar, zunächst stellt er den Menschen in den Mittelpunkt, besser gesagt in den Raum und definiert den Bezug zum Raum recht anschaulich. Er geht auf Wahrnehmung und Kontakt ein und vermittelt dem Leser, dass das Bewusst-Sein im Vordergrund steht, sich selber erkennen, seine Stimme wahrnehmen,  erst dann geht er auf Bewegung, Atmung und Sprache ein, im Vordergrund steht aber immer deren Wechselwirkung untereinander.

Damit geht Waibel viel tiefer in das Thema Sprecherziehung als die beiden anderen Ratgeber, er verschafft dem Leser einen neuen Blickwinkel, nicht die klassische Sprecherziehung ist sein Hauptanliegen, sondern die Wechselwirkung von Körper und Seele.

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6. Schlussbetrachtung

Alle drei Ratgeber sind in ihren Aussagen hilfreich und geben dem Leser durchaus einige nützliche Tipps an die Hand. Auch wenn oder gerade weil alle drei unterschiedliche Ansätze haben, ist eine Kombination dieser drei Bücher ein guter Ansatz um einen Einblick in das breite Feld der Sprecherziehung zu erhalten. Dem Leser wird klar, dass es eben nicht nur um Atemtechnik, Haltung und Phonation geht, sondern um weit mehr, so spielen Einstellung, seelische Komponenten und körperliche Aspekte eine wichtige Rolle.

Damit möchte ich noch einmal auf Coblenzer und Muhar eingehen, die in ihrem Buch anmerken, das ihr Buch zwar für die Praxis geeignet ist, allerdings nicht auf das Ohr des Lehrers verzichten kann.

 

Literatur 

Sabine Wittstock;  Stimmig sprechen – Stimmig leben;  München  2001

Coblenzer und Muhar ; Atem und Stimme ; Wien 1994

Jochen Waibel;            Ich Stimme ;  Köln 2000

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